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Im grössten Mini - Circus der Welt, der gut und gerne vier Zuschauern Platz bietet, können Sie einem grandiosen Minispektakel beiwohnen. Kleine, grossartige Starartisten, aus fast allen Teilen der Spielwelt kommend, lassen Sie mit ihrem lebhaften und vielfältigen Programm einige unvergessliche Minuten erleben. Beeilen Sie sich, dass Sie noch Karten bekommen, denn unser Zelt, trotz seinem riesigen Platzangebot, ist Abend für Abend vollständig ausverkauft. Aber keine Sorge - nach Bedarf werden die Vorstellungen wiederholt. Sollte es Ihnen trotzdem nicht gelingen, eine Karte zu ergattern, so möchten wir Sie höflichst darauf hinweisen, dass es natürlich erlaubt ist, einen heimlichen Blick durch die Zeltlücke zu werfen. .. ich ging durch die Strassen des Stadtzentrums, mitten in einer Menschenmenge, die sich von einer Stelle zur anderen bewegte, um an jene Orte zu gelangen, wo zahlreiche Strassenkomödianten ihre Vorstellung gaben.. Obwohl der Tag ziemlich kalt und grau war, vermochten Musik, Stimmengewirr und Konfetti alles mit einer beinahe fastnächtlichen Fröhlichkeit zu erfüllen, die mich jedoch nicht einbeziehen konnte. Es war, als brauchte ich einen Moment der Stille oder als flössten mir die übertrieben provokativen Gesten einiger Artisten Angst ein. Indessen nahm das Fest seinen Lauf. Kaum war ein Spektakel zu Ende, begann sofort ein anderes. Alles war da: Magier, Feuerschlucker, Clowns. Alle eifrig damit beschäftigt die grösstmögliche Zahl von Zuschauern anzulocken, die Massen zu gewinnen. Schon geht es wieder los. Ein Clown verabschiedet sich, und etwas weiter entfernt ruft uns ein anderer, möchte, dass wir ihm unsere Aufmerksamkeit schenken. Von neuem Platzwechsel, rasche Schritte, ein paar Ellbogenstösse. Plötzlich, an einer Strassenecke, von geheimnisvoller Stille umgeben, ein kleines Zirkuszelt oder eher ein grosser Schirm ... ja, ein Gartenschirm, der als kleines Zirkuszelt dient. Natürlich gibt es da weder Wohnwagen noch Raubtierkäfige, weder farbige Plakate noch grosse Scheinwerfer. Nur ein Sonnenschirm, der als Zirkuszelt dient, spärlich erleuchtet von einer Girlande kleiner Lämpchen. Einige Leute bleiben stehen und schauen. Wieviele? Gewiss nicht mehr als vierzig, fünfzig. Man hört Musik aus einem alten Grammophon. Und aus dem kleinen Zelt kommen zwei Artisten, die uns in der Art von Marktschreiern früherer Zeiten zu ihrer Vorstellung einladen. Die Zahl der Plätze sei beschränkt, sagen sie, nur vier Zuschauer. Da aber mehrere Leute die Vorstellung sehen möchten, beschliessen die beiden Artisten, ihr Zelt so weit zu öffnen, dass alle Anwesenden das Programm sehen können. Das Spiel beginnt mit den schon klassischen Weisungen, man solle unter dem Zeltdach nicht rauchen, keine Blitzlichtaufnahmen machen und sich merken, dass verlorene Gegenstände nach der Vorstellung versteigert würden, um die mageren Finanzen des Unternehmens aufzubessern. Als erste werden die Brüder Pioli angesagt. Zwei kleine Akrobaten, nicht grösser als zehn Zentimeter. Aber in den Händen der beiden Artisten, die sie animieren, wachsen sie und nehmen menschliche Dimensionen an. Tatsächlich hält das Publikum den Atem an, wenn sie nun kopfabwärts die kleine Leiter hinunterrasen. - Alles ist klein in diesem Zirkus. Gross ist nur die Macht der Suggestion dieser beiden Komödianten, die uns mit jener Poesie, wie sie Charlot eigen war, ein echtes Zirkusprogramm erleben lassen. Erinnert ihr Euch an die Tänzerin im Film "Goldfieber", die bloss aus zwei Gabeln und zwei Brötchen bestand? Weitere Nummern werden präsentiert. Nichts von elektrischen Startknöpfen, nichts von Videogames. Nur physikalische Gesetze: Gewicht und Gegengewicht. Jetzt ein bulgarischer Springer auf dem Schleuderbrett. Das Trapez ist in Bewegung, der Trapezist kommt ... Alle Artisten sind hier Spielzeug, nichts weiter als lebendiges Spielzeug. Pipo auf dem aufziehbaren Dreirad. Fred Astaire, die tanzende Marionette. Bertoldo, die wildeste Zirkusmaus. Der Kanonenmensch... und noch viele andere Artisten produzieren sich in einer Reihe kleiner Kunststücke. Dazwischen einige "Tours de magie". Das Wasserglas verschwindet; der Würfel, das Taschentuch verschwindet. Alles verschwindet... Auch der Lärm verschwindet. Tatsächlich, dort auf den Strassen, weit weg von dieser Ecke, scheinen die Leute zu schweigen, damit die zarte Magie dieses Minizirkus sich nicht verflüchtigt. Oder bin ich es, der in eine andere Welt, in eine andere Dimension gelangt ist, wo ich mich wieder als Kind sehe, das nur Ohren für die anrückende Zirkuskapelle hat, die sich meinem Dorfe nähert? Der letzte Miniartist des Programms präsentiert sich: ein Clown auf dem Schlappseil. Zwischen einem kleinen Feuerwerk und bunten Seifenblasen verabschieden sich dann die beiden Artisten mit dem Wunsch, uns bald wieder zu sehen. Ich kehrte in die Menschenmenge zurück und fühlte mich jetzt etwas besser mitten in diesem Stimmengewirr, den Rufen und Trompetenstössen der Clowns. Der Festrummel erschien mir schön. Und auch ich lachte jetzt aus vollem Halse und erlaubte mir, einem anderen zum Scherz einen freundlichen Stoss zu versetzen. ein Zuschauer |
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