Till Eulenspiegel |
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Fassung erarbeitet durch das Teatro Paravento Locarno in Anlehnung an den Roman Till Eulenspiegel von Charles de Coster. |
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Regie |
Miguel Ángel Cienfuegos |
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Till Eulenspiegel |
Dominik Huber (Deutsche Schweiz) |
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Nele, Tills Verlobte |
Luisa Ferroni (Italienische Schweiz) |
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Claes, Tills Vater |
Miguel Ángel Cienfuegos (Chile) |
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Soetkin, Tills Mutter |
Clotilde Pichonnaz (Französische Schweiz) |
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Lamme Goedzak |
David M. Zurbuchen (Deutsche Schweiz) |
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Zwei Inquisitoren |
David Matthäus Zurbuchen Mauro Galati (Italien) |
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Zwei Mönche |
Miguel Ángel Cienfuegos Mauro Galati |
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Mussekin |
Esther Buser (Deutsche Schweiz) |
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Kalekien |
Cati Malek-Mansour (Iran / Norwegen) |
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Wilhelm von Oranien |
Miguel Ángel Cienfuegos |
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Zwerg |
Esther Buser |
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padre Carnevale |
Jakob Surbeck |
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Außerdem: |
Bäuerinnen und Bauern, Bettler, spanische Soldaten, Graf Egmont, Graf Horn, Musikerinnen. |
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Bühnenbild, Kostüme und Masken: |
Fleur Marie Fuentes Valdebenito |
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Lichtdesign,Bühnenbauten und Technik: |
Josef Busta (Österreich) |
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Musik: |
Giovanni Galfetti |
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Fotografie: |
Andreas Zurbuchen |
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Schneiderei: |
Patricio Luengo |
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Assistenz Schneiderei und Masken: |
Miria Fazzini, Urs Buchmann |
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Dauer: |
ca. 120 Minuten mit Pause |
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Premiere: |
04. März 2004 |
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Tourneen: |
Schweiz, Österreich, Deutschland, Luxembourg. |
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Zeit und Ort: Zweite Hälfte des sechzehnten Jahrhunderts, im von den Spaniern besetzten Flandern. Oder in einer beliebigen Epoche, überall dort, wo es Tyranneien gab oder immer noch gibt. Unser Till Eulenspiegel lehnt sich an den Roman von Charles de Coster an, der uns eine überraschende Vision der Figur Till offeriert. Bis zum Erscheinen des Romans im Jahre 1868 herrschte eine kollektive Meinung zu diesem Helden aus Flandern vor. Eulenspiegel sei vor allem ein Spitzbube, zwar Nerven raubend, aber gutmütig. Einen wichtigen Wendepunkt in der literarischen Ausgestaltung markiert de Costers Roman. Er erhebt die Figur auf eine andere Ebene und er überträgt ihr die Rolle eines Führers im Freiheitskampf Flanderns gegen Spanien - samt aller tragischen Verwicklungen, die diese Rolle mit sich bringt. Die clownesken Seiten Tills verschwinden in diesem Roman keineswegs, aber sie sind seinem Freiheitskampf untergeordnet. Deshalb treibt auch unsere Version der Geschichte, ausgehend von komischen Momenten, immer wieder in dramatische Situationen hinein, wie sie der belgische Autor vorgeschlagen hat. Unsere Geschichte will aktuell sein. "Till Eulenspiegel" wäre bedeutungslos, wenn das Stück nur die Erinnerung an einen legendären Helden zelebrieren würde und Tills Taten sich nur auf das von den Spaniern besetzte Flandern im Jahre 1500 und die religiösen Gegensätze, die sich damals offenbarten, beziehen würden. Das Teatro Paravento war Geburtshelfer einer besonderen Produktion, die Till zu einem Helden von Einst und Heute macht. Jenseits seines komödiantischen Talentes und seiner Scherze, von denen man noch heute erzählt, wird Till in unseren Händen zu einem Narren als "Feldherr" im Freiheitskampf gegen eine Besatzungsmacht. Eine übertriebene Stilisierung manch tragischer Fakten, von denen die Geschichte erzählt, würde die Gefahr der Schönfärberei in sich bergen. Dies soll nicht heissen, das Teatro Paravento habe der Poesie und der Magie entsagt, die ein Theater immer beflügeln sollte. Auch hat das Teatro Paravento nicht vergessen, dass es besser ist, das Publikum zu bezaubern, statt ihm allzu konkrete szenische Lösungen aufzuzwingen. Die Musik, die Masken, der Körperausdruck vervollständigen diese Arbeit, die eine Einladung zu einer tiefgreifenden doch unterhaltsamen Betrachtung jener menschlichen Geschehnisse sein will, von denen das Stück erzählt.
Inhaltsangabe Erster Akt (ca. 65 min.) 1. Szene In der kleinen Stadt Damme im von den Spaniern besetzten Flandern ist der Karneval der Bauern in vollem Gange. Padre Carnevale gebiert Till Eulenspiegel. 2. Szene Die Honorationen der Stadt bereiten ihr "Fest der Zünfte" vor. Sie hoffen, dass es Till, im Gegensatz zum letzten Jahr, heuer nicht gelingen wird, die Festlichkeiten zu stören. Doch auch diesmal kann sich Till der Krone bemächtigen und die Honorationen von der Piazza vertreiben. 3. Szene Nele, Tills Verlobte, trifft ein, um ihm mitzuteilen, dass seine Eltern denunziert wurden und bald wegen Verdachts der Ketzerei und des Versteckens von Geld vor dem Staat festgenommen werden sollen. 4. Szene Die Prominenz der Stadt kehrt auf die Piazza zurück, um Festschmuck zurückzuholen. Zwei spanische Soldaten erscheinen. Sie verkünden die neuen Gesetze der Inquisition - und die Strafen, die jene erleiden müssen, welche diese Gesetze nicht befolgen: Scheiterhaufen und Folter. 5. Szene In Tills Haus warten seine Eltern auf das Erscheinen der Spanier. Soetkin, die Mutter, beklagt sich, dass ihr die Zeit gefehlt habe, die Lutherbibel wegzuwerfen, doch ist sie überzeugt, richtig gehandelt zu haben als sie das Geld, das Till und Nele bekommen sollen, gut versteckte. Soetkin und ihr Mann Claes, umarmen sich zum letzten Male und erinnern sich ihrer gemeinsamen Jahre, während die spanischen Soldaten, die in der Zwischenzeit Till festgenommen haben, in ihr Haus eindringen. Die Soldaten verlesen Verhaftungsbefehl und Urteil: Claes soll auf dem Scheiterhaufen verbrannt werden, während Soetkin und Till bis zu ihrem Geständnis gefoltert werden sollen. 6. Szene Im Laufe des Inquisitionsprozesses verraten weder Till noch seine Mutter das Versteck des Geldes. Claes stirbt auf dem Scheiterhaufen. Till, wieder freigelassen, sammelt Claes Asche ein und schwört Rache. Mit Neles Hilfe schleppen sie Soetkin nach Hause, die sich nicht mehr auf den Beinen halten kann. Eine Gruppe Blinder zieht vorbei und singt ein Lied, das vom Schmerz des besetzten Flandern erzählt. 7. Szene Auf der Piazza erscheinen zwei Mönche, die den Bauern Ablassbrief verkaufen wollen. Die Bauern haben nicht genügend Geld und so sehen sich die Mönche gezwungen, die Preise zu senken. Kaum haben sich die Bauern entfernt, zählen die Mönche das Geld. Einer behauptet, es fehlen drei Taler und sie beginnen zu streiten. Till und Nele erscheinen und nehmen das ganze Geld an sich. 8. Szene Lamme Goedzak, Till und Neles Freund, zieht musizierend durch Flandern. Er ist auf der Suche nach seiner Frau, die ihn verlassen hat. Er trifft auf Till und Nele und erzählt ihnen von seinem Unglück. Sie sprechen auch über das Leid, das dem ganzen Land zugefügt wird. Till und Nele überzeugen Lamme, sie auf ihrer Reise durch die Provinzen zu begleiten und mit ihnen für das Recht auf Glaubensfreiheit zu kämpfen. 9. Szene Die drei gelangen in ein Dorf, wo sie auf der Straße für die Bauern spielen. Sie erzählen, wie König Philipp II. von Spanien Flandern in Besitz nehmen will und wie dringend notwendig es daher sei, vereint gegen seine Macht zu kämpfen. Am Ende der Vorstellung schließen sich die Bauern den dreien an und so entsteht die neue Bettlerarmee. Zwei der Bauern flüchten aus Angst vor der Strafe ihrer Herren. 10. Szene Die kleine Armee kommt in ein Dorf, wo sie auf zwei spanische Soldaten stößt, die nach Till fahnden. Die Bauern geben sich als Bettler aus. Die Soldaten wollen Till gerade festnehmen, doch eine Bettlerin lenkt ihre Aufmerksamkeit auf sich und wird von ihnen verfolgt. Die Soldaten schießen. Die Bettler halten die Frau für tot, doch kaum hat diese die Soldaten abgeschüttelt, kehrt sie zurück. Till verlässt die Gruppe für eine gewisse Zeit, um sie nicht noch mehr in Gefahr zu bringen. Vor seinem Weggang erteilt er jedem von ihnen gezielte Anwei-sungen und erinnert sie alle daran, dass sie jedes Mal, wenn sie den Hahn krähen hören, mit dem Ruf der Lerche antworten sollen. Die Lerche ist das Symbol ihres Freiheitskampfes. 11. Szene Allein gelassen, beginnen die Bettler, das Lied der Lerche ("Alouette, gentille alouette...") singend, Barrikaden zu errichten und preisen den Kampf Till Eulenspiegels mit Lobeshymnen. Die Begeisterung wächst, doch das Echo einer Artilleriesalve lässt sie verstummen.
Zweiter Akt (ca. 60 min.) 1. Szene Nele, die nach Damme zurückgekehrt war, um Tills Mutter zu pflegen, erinnert sich ihres Geliebten, der in den Krieg zog und von dem sie nichts anderes gehört hat, als die Gerüchte, die auf dem Markt zirkulieren. Wie in einem Traum erscheint Till, der sich als Bettler ausgibt, begleitet von der Bettlerarmee. Nele leidet unter der fortdauernden Abwesenheit Tills, aber durch ein magisches Spiel, inszeniert von den Bettlern, finden Till und Nele sich und ihre Liebe wieder. Sofort danach verschwindet Till, so wie auch die ganze Bettlerarmee. 2. Szene In der Nähe eines Waldes leidet die Bettlerarmee Hunger. Lamme, einem Mann von unstillbarem Appetit, setzt der Hunger am meisten zu. Er leidet an Halluzinationen, glaubt Teller mit köstlichen Speisen vor sich zu sehen. Till ist verzweifelt. Sie benötigen dringendst Verpfle-gung. Doch der Herzog von Alba, von König Philipp II. eingesetzter Militärgouverneur Flanderns, hat sämtliche Nahrungsmittel aufgekauft. Nele kommt hinzu, zuerst verkleidet als alte Frau. Auch sie kann das Problem des Hungers nicht lösen doch gelingt es ihr, Till und der Bettlerarmee etwas von ihrer Hoffnung auf eine bessere Zukunft zu vermitteln. Till schwört, seinen Kampf so lange fortzusetzen, bis der Hunger im ganzen Land auf immer besiegt sei. Nele kehrt nach Damme zurück und Till setzt die Reise mit der Bettlerarmee fort. 3. Szene Till und Lamme, nun zu zweit, durchqueren einen Wald. Till versucht, seine Begeisterung und seine Energie auf den phlegmatischen Lamme zu übertragen. Sie treffen auf eine spanische Patrouille und werden Zeugen der Erschießung zweier flandrischer Adeliger, die sich der spanischen Macht widersetzen. Angesichts all dieser Traurigkeit kann Till nur noch auf den Sieg seiner Armee vertrauen. 4. Szene In der Nähe des Flusses Maas prüft Till ob sein Freund Lamme auch verstanden hat, dass sie eine neue Identität annehmen müssen, um den Spaniern zu entkommen. Niemand darf wissen, dass sie auf dem Weg nach Deutschland sind, um dort Prinz Wilhelm von Oranien zu treffen, der gegen König Philipp II. kämpft. Die zwei Freunde treffen auf zwei Huren, die als Spioninnen für die Spanier arbeiten und sie in eine Gaststätte locken wollen, wo gerade spanische Soldaten rasten. Die beiden Frauen erkennen den gesuchten Till Eulenspiegel. Eine der Huren hat Mitleid mit ihm und warnt ihn vor der Gefahr. Till beschließt, die Gaststätte doch aufzusuchen, um den Mördern seines Vaters ins Gesicht zu sehen. Die Huren versprechen, ihn nicht zu verraten. Im Inneren der Gaststätte gelingt es Till, mit einem spanischen Offizier seinen Schabernack zu treiben, was zu einer wüsten Rauferei führt. 5. Szene Nach der Rauferei trennen sich Tills und Lammes Wege für kurze Zeit. Plötzlich findet Lamme Till auf dem Boden liegend, offensichtlich tot. Lamme beklagt das Dahinscheiden seines Freun-des. Till aber steht wieder auf. Es war nur ein Scherz. 6. Szene Till, Lamme und eine Abord-nung der Bettlerarmee präsentieren sich im Militär-lager des Prinzen von Oranien. Die letzten Details der kommenden, wichtigen Schlachten werden diskutiert. Der Prinz ist nicht sehr von Tills Armee überzeugt, genau so wenig wie jener von der Söldnertruppe des Prinzen. Plötzlich bricht der Prinz auf und lässt die Bettler mit dem Gefühl zurück, nichts mit ihm gemeinsam zu haben. 7. Szene Tills Schiff der Freiheit ist bereit, den Anker zu lichten. An Bord kommen Soetkin, Tills Mutter, Nele, einige Bettler, eine Hure und ein reuiger katholischer Mönch. Das Schiff legt ab, wird aber von der spanischen Flotte unter Beschuss genommen. Die Revolutionäre sind allein. Till stirbt. Lamme, der einzige Überlebende, erkennt die Torheit ihre Vorgehens: Seite an Seite mit den Mächtigen des eigenen Landes kämpfen zu wollen, um sich vom Joch der Spanier zu befreien. Er ist überzeugt, dass, noch während ihr Schiff sinkt, die Mächtigen Flanderns bereits einen Weg gefunden haben werden, ihre Privilegien erneut zu sichern und die Bettlerarmee nur als Kanonenfutter dienen sollte. 8. Szene Rückkehr zum Karneval in das kleine Städtchen Damme. Alles hofft auf die Wiedergeburt Tills. Doch dieses Mal kommt aus den Kleidern Padre Carnevales nur ein Skelett zum Vor-schein. Aber auch dies ist einfach einer der unzähli-gen Streiche Till Eulenspiegels, der niemals stirbt.
Charles Théodore Henri de Coster (1827 &endash; 1879) Der belgische Schriftsteller studierte zunächst die Rechte und legte ein Examen in Literatur ab. 1856 bis 64 war er Mitherausgeber der Zeitschrift "Uylenspiegel". Er hatte kein Interesse an bürgerlichen Berufen und finanzieller Sicherheit. Zeitweilig arbeitete er als Bankbeamter und ab 1870 als Deutschlehrer an der Militärschule in Brüssel. Seine Liebe zu Eiliza van Spruyt blieb unglücklich. Der Autor wurde erst nach seinem Tod berühmt. De Coster erstrebte und erreichte als Erzähler eine Erneuerung der belgischen Literatur. In seinen nach der Vorlage alter flandrischer Volkserzählungen entstandenen erzählenden Werken ließ er alte Traditionen seiner Heimat wieder aufleben, indem er sie mit modernen Empfindungen neu gestaltete. Ein nationales Epos des flandrischen Volkes, "La légende d'Ulenspiegel" um den derben Spötter und Tyrannenfeind, an dem er mehr als 10 Jahre lang schrieb, ist sein Meisterwerk, eine Verherrlichung von Sinnenfreude und Freiheitskampf des flandrischen Volkes und eine Satire auf die spanischen Unterdrücker, absichtlich in altertümlichem Französisch, in farbiger, bildkräftiger und robuster Sprache verfasst. De Coster übte großen Einfluss vor allem auf die erzählende, aber auch auf die dramatische Literatur Belgiens aus.
Zum Teatro Paravento Der rote Faden, der sich durch unsere Art Theater zieht, entspringt jenem künstlerischen Potenzial, das uns seit unserer Geburt als Schauspieler begleitet. Es sind dies die Kunst der Clowns und der Stummfilmschauspieler, der Narren, der Commedia dell'Arte, des Autorentheaters und zusammen mit diesen Formen auch die Musik, der Tanz, die Akrobatik, die Improvisation und die Erzählung, die unsere Gruppe geprägt haben. Es entstand ein Typ Schauspieler, der ungeniert und unbeschwert von einer Ausdrucksform zur anderen wechselt. Mit einer Haltung, von der wir nicht wissen, ob sie unschuldig oder geplant ist, ein "fou du Roi" (Hofnarr), im französischen Sinne, ein Philosoph und Komiker, intrigant und gutmütig, manchmal komisch meistens aber tragisch. Es ist dieser Geist, der uns erlaubt hat, einen Goldoni oder Goethe in Angriff zu nehmen. Seit Anfang unserer Aktivitäten war er präsent: während unserer Jahre der Clowns, in den 80er Jahren, wie bei "Lazarillo de Tormes" &endash; von einem anonymen spanischen Autor aus dem 16. Jahrhundert &endash; genau wie beim japanischen Kyogen oder bei "Bertoldo", einem sympathischen und weisen Narren von Giulio Cesare Croce aus dem 17. Jahrhundert. Dann kamen die 90er Jahre mit der Commedia dell'Arte. Unter dem aufmerksamen Blick von Alessandro Marchetti brachten wir die berühmten Masken des Arlecchino, Brighella, Pantalone und vieles mehr auf die Bühne. Kurz darauf gingen wir "Caligula" von A. Camus an. Dieses Stück gab uns unter anderem die Möglichkeit, unsere Recherchen über den "fou du Roi" zu verfeinern. Derselbe Caligula präsentiert sich als tragischer und gleichzeitig grausamer Narr, der - Realität und Fiktion verwechselnd - dem Wahnsinn nachgibt, der seit jeher dem Narren zugesprochen wurde. Im Jahre 1999 inszenierten wir "Carnevale - Die italienische Reise des Dr. Faust", - eine wichtige Etappe auf unserer Suche nach dem Stil, der unser Theater ausmacht. Diese Produktion entstand aufgrund einer Einladung der Stiftung Weimarer Klassik, verbunden mit dem Wunsch, ein Stück zu Goethe und seinen Werken im Stile des Teatro Paravento auf die Bühne zu bringen. Das Stück hatte seine Premiere anlässlich des 250. Geburtstages von Johann Wolfgang von Goethe in der Kulturhauptstadt Weimar 1999. Und nun als Fortsetzung der Geschichte des Teatro Paravento die Begegnung mit Till Eulenspiegel, der mit einem sarkastischen aber freundlichen Lächeln hinter einer Ecke auf uns wartete, einer Figur, die zu uns als Theatertruppe passt. |
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Musik:
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Kostüme:
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