Arlecchino, servitore di due padroni

"Arlecchino, Diener zweier Herren"
von Carlo Goldoni

"Diener zweier Herren" unter sintflutartigen Regengüssen im Szenarium des über die Ufer tretenden Flusses Po. Zwei verliebte Schauspieler soeben durchgebrannt. Und trotzdem; man wird spielen.

 

"I comici del 'teatro all antica italiana' provano 'Arlecchino, servitore di due padroni'" (Diener zweier Herren)

Anmerkungen zur Regie.

In einer scheinbar realistischen Atmosphäre bewegen sich Gestalten auf der Bühne wie Phantome aus einer nicht allzu fernen Vergangenheit. Es sind Komödianten des alten italienischen Theaters. Sie stammen zumeist aus Schauspielerfamilien, sind 'figli d'arte'. Wir sehen sie sowohl in ihrem Alltagsleben wie auch auf der Probe zu Goldonis "Diener zweier Herren".

Das wirkliche Leben vermischt sich dabei mit den Szenen der Komödie. Realität und Fiktion überlagern sich gegenseitig, bis die Grenzen verschwinden.

Aus dieser doppelten Vision von Realität und Fiktion ergibt sich die Komik, auf der das ganze Spiel beruht. Um es mit Bergson zu sagen: sie gehört weder ganz der Kunst, noch ganz dem Leben an. Denn das Leben dieser 'figli d'arte' würde uns nie zum Lachen bringen, wenn wir als Zuschauer nicht in der Lage wären, ihren teilweise dramatischen Angelegenheiten wie aus einer erhöhten Loge herab beizuwohnen. In unseren Augen sind sie komisch, weil sie für uns eine Komödie spielen. Und diese entspricht hier dem realen Leben der Komödianten. Da gibt es Szenen, die man ohne ein Wort zu ändern aufs Theater übernehmen kann.

Nach ihrer Natur und Lebensweise sind die Komödianten am Rande der Gesellschaft, und das Publikum, das an ihren persönlichen Angelegenheiten gefühlsmässig nicht teilnimmt, bleibt "unsensibel". Durch diese beiden wesentlichen Voraussetzungen kann alles komisch wirken. Doch wir sind oft näher am Drama als an der Komödie. Dies ist die Grundlage für die Inszenierung eines Spiels, das gleichzeitig eine Huldigung an die 'figli d'arte' - die legitimen Erben der Commedia dell'Arte - sein will und ein weiterer Prüfstein für die wohlbekannten Fähigkeiten des Teatro Paravento.

Alessandro Marchetti

 

Die Truppe des 'Cavaliere Rivalta'.

Wir sind in den zwanziger Jahren. Zur Fastenzeit. Im städtischen Theater von Contarina arbeitet die kleine Schauspieltruppe des Cavalier Rivalta an ihrem Repertoire.

Es regnet, seit zwei Wochen regnet es. Contarina liegt in jenem Teil Italiens, wo der Po alle paar Jahre einmal die Dämme durchbricht. Das Wasser hat schon beinah' die Stadt erreicht.

Die Geschäfte gehen schlecht. Das Geld ist ausgegangen. Einige Schauspieler müssen im Theater übernachten. Der Leiter der Truppe, der 'Capocomico', überwindet seinen Stolz, wendet sich an den Bürgermeister und bekommt die Zusicherung für eine von der Gemeinde bezahlte Vorstellung. Unter der Bedingung, dass Goldonis "Diener zweier Herren" gespielt wird.

Am Aufführungstag dann die bittere Enttäuschung:

Signor Pace, der jugendliche Held, und Signora Molina, eine junge Schauspielerin, sind zusammen durchgebrannt. Ihre entsprechenden Ehepartner lassen sie im Schmerz zurück und die ganze Truppe in grossen Schwierigkeiten.

Die Ankunft des neu verpflichteten Signor Baroni kann den Verlust der Beiden nicht wettmachen. Die Aufführung ist in Gefahr.

Unser Cavalier Rivalta, einst Mitglied einer erstklassigen Truppe (er rühmt sich tatsächlich mit dem grossen "Moissi" gespielt zu haben) heute aber gezwungen, in der Provinz herumzutingeln, versucht nun kühn, die Situation zu retten. Frau Pace ist zwar hochschwanger, und Günther (ein österreichischer Neffe von Rivaltas Frau) hat gewisse Sprachschwierigkeiten. Aber als echter Wanderkomödiant mobilisiert der Cavaliere all seine Erfindungsgabe und beginnt mit den Proben. -

Man wird spielen!


Regie:

Alessandro Marchetti

Mit:

Miguel A. Cienfuegos
Alessandra Cusimano
Luisa Ferroni
Andrea Noseda
Elmar Thalmann
David M. Zurbuchen

Tourneen:

Schweiz, Deutschland, Frankreich, Italien, Österreich, Holland

 


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